Brickners 7. Sinfonie im Konzerthaus Dortmund

Am Samstagabend wurde der diesjährige Orchesterzyklus am Konzerthaus Dortmund eröffnet. Und das mit großer Wirkung: ausgerechnet Bruckners siebte Sinfonie wurde gespielt. Das Werk zählt zu den Meisterstücken des österreichischen Komponisten, gleichzeitig gilt die siebte Sinfonie als freundlichstes Werk seiner späten Schaffensperiode. Das Stück, welches übrigens in E-Dur gespielt wurde, bot den Zuschauern ein großartiges Klangerlebnis. Viele sprachen von einer Kathedrale aus Tönen und waren völlig mitgerissen. Das Rotterdamer Philharmonic Orchestra spielte gleichzeitig so sanft und intensiv, dass bei fast keinem der Zuhörer die Augen trocken blieben. Angeführt wurde es von Dirigent Yannick Nézet-Séguin. Der 35-jährige gab wirklich sein Bestes. Es schien, als spielte das Orchester Kammermusik, so differenziert klangen die Töne. Nézet-Séguin galt früher als „junger Wilder“, seine Werke waren stets gut, jedoch immer etwas chaotisch und wirr. Es schien, als hätte der Dirigent nun seine wilde Phase hinter sich gebracht und sich für das Kreieren großer Kunst gewappnet. Seine Ausstrahlung war reifer geworden, er wirkte „bärig“, wenn er mit seiner gewaltigen Armspanne mit dem Taktstock jonglierte. Für manche sah es so aus, als wolle Nézet-Séguin sein Orchester umarmen.

Bruckners Musik erschien höchst vital und lebendig. Die Töne waren dabei weit gefächert, ohne zu feierlich zu wirken. Diese Note der Leichtigkeit war es auch, die das Publikum so mitriss. Vor allem die Blechbläser (allen voran die Wagner-Tuben) schufen einen Klangteppich, der faszinierte.

Vor allem muss man dem Dirigenten zugute halten, dass er den letzten Teil der Sinfonie sehr bodenständig musizieren ließ. Der überschwängliche Pathos, der in vielen gleichartigen Aufführungen zu spüren ist, fehlte dabei völlig. Es war ein Fest für die Sinne, an das sich jeder, der dem beiwohnte, mit Sicherheit noch lange erinnern wird.

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Dagmar

10/2011


Dortmund


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