Autonome Nationalisten aus Dortmund
Nicht nur die linke Szene Deutschlands hat eine autonome Bewegung – also eine Organisation in losen Netzwerken, die danach strebt, selbst
bestimmte Freiräume zu schaffen und ihre politischen Vorstellungen umzusetzen, und dabei teilweise auch gewaltsame Aus
einandersetzungen in Kauf nimmt. Auch junge Neonazis aus den Reihen der freien Kameradschaft, also kleinen rechtsextremen Gruppierungen, die nicht als Partei oder Verein eingetragen sind, bezeichnen sich heutzutage als Autonome Nationalisten und greifen bewusst auf Aktionen und Auftreten der linken autonomen Bewegung zurück.
Angefangen hat diese Strömung im Jahr 1990, als Neonazis in Berlin-Lichtenberg nach Vorbild linksradikaler Gruppen ein Haus besetzten. Genau wie der schwarze Block der Linken, treten autonome Nationalisten bei öffentlichen Demonstrationen meist einheitlich in schwarzer Kleidung und mit vermummtem Gesichtern und Köpfen auf. Genau wie ihr linksgesinntes Pedant schmücken sich die Neonazis mit Buttons und Aufnähern mit politischen Slogans oder typischen Symbolen. Auch das Logo der Antifaschistischen Aktion inspirierte die autonomen Nationalen, deren Emblem statt einer schwarzen und roten Fahne einfach zwei schwarze Fahnen zeigt. Auch das Logo antifaschistischer Punk-Fans wurde abgewandelt, statt den typischen Schriftzug „Good night – white pride“ trägt ein Rechtsradikaler den Slogan „Good night – left side“.
Zu einem Zentrum der gefährlichen Szene hat sich in den letzten Jahren Dortmund entwickelt. Hier finden regelmäßig Aufmärsche von autonomen Nationalisten statt, die meisten kommen aus dem Umfeld des „Nationalen Widerstand Dortmund“. Hier kam es auch schon zu gewalttätigen Übergriffen: Am 1. Mai 2009, dem Tag der Arbeit, griff eine Gruppe von 300 bis 400 autonomen Nationalisten eine Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes, kurz DGB, an.
Ziel der neuen Strömung im rechtsradikalen Milieu ist das Anwerben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Anstatt dem Klischee vom „Stiefel-Nazi“ oder „Skinhead“ zu entsprechen, bieten die autonomen Nationalen einen modernen Lifestyle und machen rechtes Gedankengut so erheblich attraktiver und populärer. Außerdem verhindert die einheitliche schwarze Kleidung und die lose Organisationsform der rechtsgesinnten Autonomen, dass die Polizei einzelne Personen identifizieren kann, und führt auch zu einer Verwechslung von rechts und links gesinnten Extremisten.